Zahlen, Fakten und mehr..

Im Landkreis Konstanz wurde 2010 das Projekt „andersnormal.“ initiiert.


Es wurde als gemeinsames Vorhaben zwischen


  • dem Zentrum für Psychiatrie Reichenau (ZfP) 


sowie


  • dem Landratsamt Konstanz – Stabsstelle Gesundheits- und Sozialmanagement (mit Selbsthilfekontaktstelle und Selbsthilfenetzwerk)


entwickelt.


Das Projekt sieht sich gut eingebettet in einer im Landkreis Konstanz wachsenden Struktur und Kultur vernetzter Denk- und Handelsweise vieler Akteure im Gesundheits- und Sozialbereich. Die Projektakteure von „andersnormal." sind auch mitwirkende Akteure im Gemeindepsychiatrischen Verbund, dem Suchthilfeverbund, der Kommunalen Gesundheitskonferenz und weiterer Gremien, in denen insgesamt Perspektiven diskutiert und angedacht werden, psychische Gesundheit über rein fachliche Diskussionen hinaus als gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Gesamtprojekt im Landkreis zu entwickeln. Dabei engagieren sich die Akteure in der Sensibilisierung, Aufklärung, Enttabuisierung und Information über psychische Erkrankung und seelische Gesundheit.


Entstigmatisierung und wertfreier Umgang mit psychischen Erkrankungen sind zentrale Anliegen des Projektes. Die Projektmitwirkenden führen Aktionstage mit Schulklassen, jungen Erwachsenen und pädagogischen Berufsgruppen durch. Die Teilnehmer sollen durch Selbstreflexion, praxisnahe Gruppenarbeit und den direkten Kontakt zu Betroffenen ermutigt werden, ihr Bild von psychisch Kranken kritisch zu prüfen. Es ermöglicht den Teilnehmern, etwaige auftauchende seelische Probleme bei sich und anderen früher zu erkennen und im Alltag feinfühliger und aufmerksamer mit Mitschülern und sich selbst umzugehen.


Seit Projektstart engagieren sich stets mindestens 12 Personen. Dabei handelt es sich um Vertreter pädagogischer Berufsgruppen sowie Menschen, die persönlich psychische Erkrankungen erfahren haben. Aus diesen beiden Gruppen setzen sich jeweils Projektteams zusammen, die die Projekttage vorbereiten, durchführen und auswerten. Die Mitwirkenden sind zum Großteil ehrenamtlich engagiert, ein kleiner Teil wird durch die Trägerinstitutionen finanziert. Von den Teilnehmergruppen wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 50 – 100 Euro pro Projekttag erhoben. Mit diesem Beitrag werden Fahrt- und Vorbereitungskosten der Projektakteure finanziert.


Dreimal jährlich trifft sich das Gesamtteam zur Reflektion der Projekttage und zur Klärung organisatorischer, terminlicher und sonstiger Anliegen. Ein jährlicher Klausurtag schafft Raum und Rahmen für eine vertiefte Beschäftigung mit konzeptionellen, methodischen, öffentlichkeitsbezogenen und fachlich-inhaltlichen Herausforderungen.


Die Projekttage werden von den Teams konzeptionell und methodisch unterschiedlich und flexibel gestaltet. Der meist rund vier- bis fünfstündige Verlauf (auf Anfrage können sie auch kürzer konzipiert werden) einer Veranstaltung gliedert sich in mehrere Teile. Zur Umsetzung der Ziele werden Kleingruppenarbeit, Plenumsdiskussionen, Positionierungen/Aufstellungen, Rollenspiele und Selbsterfahrungsübungen eingesetzt.


Pro Jahr finden 25 – 30 Projekttage statt, die insgesamt durchschnittlich 417 Teilnehmer*innen erreichen. Sie werden in Kooperation zwischen dem Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau und dem Landratsamt Konstanz als gemeinsame Projektträger durchgeführt. Regelmäßig erhalten wir finanzielle Unterstützung durch Fördergelder, beispielsweise der Radolfzeller "Messmer-Stiftung", und haben auch schon mehrere Preise gewonnen, wie den Inklusionspreis des Landkreises Konstanz (2017) und den "HelferHerzen"-Preis von "dm" (2014).


Das Präventionsprojekt wirkt. Nach allen vorliegenden Rückmeldungen der Teilnehmergruppen aus den letzten Jahren haben sich die Teilnehmer auch Tage nach dem Projekt noch mit den aufgeworfenen Fragen beschäftigt. Lehrer gaben an, dass die Projekttage Auswirkungen auf das Klassenklima hatten. Das Projekt trägt wesentlich dazu bei, dass Teilnehmer offener und mutiger eigene Betroffenheit, direkt oder indirekt, zum Ausdruck bringen und sich frühzeitiger nach Hilfsangeboten erkundigen. Auf Grundlage des im Projekttag Vermittelten gelang deren Einbindung in die Schulgemeinschaft leichter. Überhaupt wirkt das Projekt, weil sich die Sicht und Einstellung zu dem weitgehend tabuisierten Themenfeld „psychische Erkrankungen/Behandlungen“ (z.B. die Vorstellung der Behandlung in „Gummizellen“) durch die intensiven Projekttage verändert. Es wird die Bedeutung der Achtsamkeit auf mich und meinen Nächsten unterstrichen.


Die Betroffenen (psychisch erkrankte Akteure) erfahren Wertschätzung für ihre Offenheit und ihr „Outing“ hinsichtlich der biografischen Lebens- und Krankheitsgeschichte. Es stärkt ihr Selbstbewusstsein, als Betroffene einen Beitrag zur sozialen Persönlichkeitsentwicklung junger, neugieriger und an vielen Fragen des Lebens interessierter Menschen zu leisten. Sie erleben und erfahren sich als zentralen Baustein eines alternativen „Lehrplans“ zu den Themen psychische Erkrankung und Sucht einerseits, seelische Gesundheit und Resilienzfaktoren andererseits.


Die pädagogischen Mitarbeiter wiederum erhalten einen Einblick in die Lebenswelt junger Erwachsener und was sie über psychisch kranke Menschen denken. Weiterhin erhalten sie einen größeren Überblick über die Strukturen des Hilfesystems.


Das Rollenverständnis sowohl der mitwirkenden Betroffenen als auch der pädagogischen Mitarbeiter gegenüber den jeweils Anderen ist ein neues im Gegensatz zum klinischen oder beruflichen Alltag. Beide erleben sich als Kollegen im Team, sehen den Anderen weder als Patienten/Klienten, noch als „sozialarbeiterische Fachkraft“.

Logo von "andersnormal."

Sie können jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen, um mehr über unser Projekt zu erfahren.

Spendenkonto:

Zentrum für Psychiatrie Reichenau, IBAN: DE37 6929 1000  0214 7827 07

Volksbank Konstanz-Radolfzell eG, BIC: GENODE61RAD, Verwendungszweck: "andersnormal."

Ust.-Idnr.: DE 142 316 521 


© "andersnormal.", ab 2019

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